
anekdoten aus dem leben von romana kerschbaumer
„Wolltest du immer schon Friseurin werden?“, ist sicherlich eine der meist gestellten Fragen meiner Kunden.
Ja, immer schon - auf Umwegen.
Die erste Erfahrung mit der Schere liegt bereits 25 Jahre zurück. Mitten in der Nacht verließ ich mein Schlafgemach, um in der Küche nach der Schere zu suchen. Mit dieser setzte ich mich dann wieder ins Bett und begann meine Stirnfransen zu schneiden.
Meine große Schwester, die zu der Zeit noch im gleichen Zimmer schlief, fragte mich, was ich denn da mache. Worauf ich meinte: „Haare schneiden“, als wäre dies das Normalste auf der Welt.
Anhand des kurz darauf geschossenen Fotos kann man erkennen, dass ich damals schon Trends setzte: Ein kompakt geschnittener, schräger Pony!
Während der Kindergartenzeit bekam
ich zu Allerheiligen von meinen Taufpaten einen batteriebetriebenen Haarföhn geschenkt. Um ihn auch im Kindergarten benutzen zu können, machte ich meiner Mutter weis, dass die Tante gesagt habe, dass jeder sein Lieblingsspielzeug mitnehmen dürfe.
Als mich meine Mutter dann abholte, meinte die Kindergartentante, dass es eigentlich nicht so gern gesehen werde, dass die Kinder von zu Hause die Spielsachen mitnehmen… ups!
In dieser Zeit wurden auch sämtliche Puppen zu meinen Kunden. Alle bekamen moderne, fetzige Kurzhaarschnitte!
Da die Haare aber nie nachwuchsen, suchte ich nach lebendigen Kunden. Da kam mir die zwei Jahre jüngere Nachbarin gerade recht! Ihr verpasste ich einen Schwammerlschnitt der besonderen Art. Die Stufe wurde bis auf die Kopfhaut geschnitten!
Seltsamerweise fühlte sich meine Kundin mit dem neuen Schnitt nicht ganz so wohl und trug an diesem Tag eine Haube. Doch irgendwann kam mein „Meisterwerk“ ans Tageslicht und ich kassierte die erste und letzte Ohrfeige meines Lebens von meiner Mutter. Komisch, heute verdiene ich Geld damit!
Von da an vernachlässigte ich dann etwas das „Schneiden“ und konzentrierte mich auf andere Dinge des Lebens.
Mit acht Jahren fing ich an, Querflöte zu lernen, mit 13 E-Gitarre. Irgendwie verdrängte ich in der Hauptschulzeit den Wunsch, Friseurin zu werden, und wollte Lehrerin werden.
Deshalb entschied ich mich, das BORG in Hartberg zu besuchen. „Falls es mir dort nicht gefällt, kann ich ja nach dem neunten Schuljahr immer noch eine Lehre anfangen“, dachte ich mir.
Es gefiel mir aber dort, auch das Lernen fiel mir nicht schwer, und als Klassenvorstand Professor Postl meinte:“ Ihr braucht nicht glauben, dass ihr hier vielleicht das neunte Schuljahr absitzen könnt“, traute ich mich schon gar nicht mehr, die Schule abzubrechen.
Während der Schulzeit kam ich dann noch auf die Idee, eventuell Hebamme zu werden und deshalb gab ich auch der damals gegründeten Mädelsband den Namen „Caesarean“ (Kaiserschnitt). Natürlich wäre es auch eine Möglichkeit gewesen, als Popstar mein Geld zu verdienen. Aber eigenartigerweise entdeckte uns keiner!
Also erfüllte ich mir einen lang ersehnten Wunsch, nach der Matura ein Jahr als Au Pair in Amerika zu verbringen. Ich hatte drei Kinder (Marry-Catherine, acht Wochen, Christopher, 18 Monate und Patrick, fünf Jahre) zu betreuen, was mir viel Spaß machte.
Ich genoss diese Zeit, hatte aber keine Idee, wie ich denn, beruflich gesehen, die Zukunft in Österreich gestalten könnte.
Während des Besuches meiner Schwester erzählte sie mir viel von ihrem Beruf als Polizistin. Irgendwie machte sie mir diesen Berufsweg schmackhaft. Denn angeblich gebe es dort Polizisten, die in Schulen Verkehrserziehung unterrichten, was ja meinem Berufswunsch „Lehrerin“ nahe kam.
Ich kam also zurück von Amerika und schrieb eine Bewerbung. Da es bis zu einem Jahr oder länger dauern kann, bis man tatsächlich aufgenommen wird, fiel mir wieder ein, dass ich ja immer schon Friseurin werden wollte!
Also dachte ich mir, in dieser Zeit einfach eine Lehre anzufangen, um für mich privat etwas sinnvoll zu nützen.
Ich schnupperte ein paar Tage in einem Betrieb und in diesen Tagen wurde mir klar, dass ich das nicht nur übergangsweise machen wollte, sondern für immer.
Die Bewerbung für die Polizeischule schickte ich nie ab, sondern begann eine Friseurlehre in Graz bei Maria und Maria. (www.mariaundmaria.at)
Da diese Firma nicht nur ein Friseur-, sondern auch ein Fußpflege- und Kosmetikstudio war, bekam ich auch Einblick in diese Sparten.
Im Oktober 2002 machte ich die Lehrabschlussprüfung, war dann noch ein Jahr Gesellin in Graz, doch dann zog es mich in die große, aufregende Welt – nach Wien!
Eineinhalb Jahre lange war ich bei Bundy&Bundy beschäftigt. In dieser Zeit machte ich auch die Meisterprüfung.
Danach wechselte ich zum Friseur Rothen auf die Reinprechtsdorferstraße, wo ich die letzten drei Jahre verbrachte.
In diesen letzten Jahren besuchte ich laufend Schulungen verschiedenster Firmen (Upstyle, Cut World Academy, Guerlain, L´oreal, Schwarzkopf, Headquarters etc.) um mich ständig weiterzubilden und am neuesten Stand zu sein.
Um meinen Horizont zu erweitern, machte ich beim Make up College in Wien die Ausbildung zum Stilberater. Da sich diese Zusatzausbildung wunderbar mit meinen angebotenen Friseurdienstleistungen kombinieren lässt, ist es mir möglich ein reichhaltiges Angebot zu bieten.



